Chronik

Vom Freitag, 23. Juli bis Sonntag, 25. Juli 1999 feierte man das 50jährige Bestehen seit der Wiedergründung 1949. Aus diesem Anlass veröffentlichte der damalige Schriftführer Hermann Baumer eine sehr sehenswerte Chronik des Musikvereins seit der Gründung anno 1866. Im Folgenden sehen Sie interessante Auszüge und Bilder aus dieser Chronik und der Zeit bis heute.

Die Gründungskapelle 1866Nach mündlicher Überlieferung haben sich 1866 elf Obersimonswälder Bauern und Handwerker regelmäßig zusammengefunden, um als Blaskapelle aufzutreten. Das Bild links zeigt die Gründungskapelle vom 1. August 1866. Die Aktivitäten der Kapelle bestanden damals vor allem aus kirchlichen Anlässen.

Das unter Kaiser Wilhelm ab 1900 geltende bürgerliche Gesetzbuch beinhaltete Regelungen, die bis heute in nahezu unveränderter Form die Basis eines Vereinslebens und seiner Organisation darstellen. So konnte man auch in Obersimonswald 1905 eine erste Versammlung einberufen und die Vereinsführung wählen. Die eigentliche Gründungsversammlung fand dann am 21. Januar 1906 statt.

In der Folgezeit hat der Verein auch verstärkt musikalische Aktivitäten entwickelt, so sind jährliche Christbaumversteigerungen, Ausflüge und sonstige Auftritte aufgezeichnet.

Nach den letzten Aufzeichnungen vor dem 1. Weltkrieg vom 3. Mai 1914 zählte der Verein damals 14 Aktive und 44 passive Mitglieder. Von diesen 14 Musikern kamen nur sieben aus dem 1. Weltkrieg zurück.

Am 15. Februar 1920 hielt der Musikverein seine erste Generalversammlung nach dem Kriege ab. Trotz schwieriger Verhältnisse entwickelte sich der Verein sehr gut und man konnte am 1. August 1926 in Obersimonswald mit einem großen Fest das 60jährige Bestehen feiern.

Neben einem ersten Platzkonzert auf dem Rathausplatz im Jahre 1930, beschloss man 1933 erstmals, am Stephanstag eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Jahr für Jahr wuchs die Anzahl der musikalischen Auftritte und man zählte 1933 bereits 20 Proben und 13 Anlässe.

Stellte der Schriftführer in der Generalversammlung 1937 noch erfreut fest: "Wie in früheren Jahren, so auch im verflossenen Jahr, hat sich der Musikverein voll und ganz in den Dienst der Allgemeinheit gestellt" wurde im August 1939 - nicht einmal eine Generation nach dem schrecklichen 1. Weltkrieg - erneut die Mobilmachung ausgerufen. Unmittelbar vor diesem verheerenden Zweiten Weltkrieg sind drei weitere Aktive hinzugekommen und man hatte so mit 24 Musikern eigentlich eine für damalige Zeit und Ansprüche sehr gute Besetzung...

Besetzung anno 1940Auch an unserem kleinen Dorf ging der furchtbare Zweite Weltkrieg nicht vorbei. Allein in Obersimonswald sind in wenigen Jahren 34 (!) junge Männer gefallen. Vom Musikverein sind rund die Hälfte der Musiker im Krieg verstorben und da unsere Region nach dem Krieg 1945 zur französische Besatzungszone gehörte, war ein Vereinsleben jeglicher Art ohnehin verboten.

Trotz dieses Verbots ist es dem Engagement von Dirigent August Baumer, Jockenbauer Franz Schindler und Stegenbauer Lambert Trenkle zu verdanken, zusammen mit ein paar interessierten Jungen die Wiedergründung des Musikvereins einzuleiten.

Am 1. Mai 1949 lud der damalige aktive Hoffnungsträger Andreas Schultis die Bevölkerung zur Gründungsversammlung in den Rebstock ein. In dieser Versammlung wurde unter anderem die Vereinsführung gewählt und man zählte 19 aktive Musiker und nach wie vor viele passive Mitglieder.
Die folgenden Jahre hatte der Verein mit vielen musikalischen Aktivitäten seinen gewohnten Platz im dörflichen Gemeinwohl wieder.

Nach Rücktritt von Dirigent Matthias Wehrle und dem Tod des 1. Vorsitzenden und Hauptinitiators der Wiedergründung, Andreas Schultis, fand man mit August Maier aus Gütenbach einen erfahrenen Orchesterleiter und hatte mit Lambert Baumer vom Jockelehof auch wieder einen neuen 1. Vorsitzenden.

Am 15. August 1951 veranstaltete die Kapelle das erste von zahlreichen Kurkonzerten, mit denen der Musikverein bis heute in den Sommermonaten die Zuhörer erfreut.

Platzkonzert anno 1956Im Sommer 1956 konnte man bereits das 90jährige Jubiläum feiern. Dies war das erste große Fest des Musikvereins nach dem Zweiten Weltkrieg und man lud eine Reihe langjähriger Miglieder zum Feiern ein. Neben diesem Festwochenende war der Musikverein das ganze Jahr über zu den verschiedensten Anlässen unterwegs und man zählte stolze 25 Musiker, die in 63 Proben und 20 Auftritten zusammenkamen.

Nach dem Rücktritt des Dirigenten August Maier am Weihnachtskonzert 1961 übernahm Alfred Ringwald aus Elzach die Kapelle. Neue Literatur und Wunschkonzerte sind nur zwei der aus den Reihen des Orchesters gelobten Entwicklungen, die die Ära Ringwald mit sich brachte.

Im März 1962 zog Erich Schwär mit seiner Familie von der Glashütte nach Simonswald. Ihm hat der Musikverein bis heute eine Menge zu verdanken. Von Anfang an war Erich Schwär Vize-Dirigent, kümmerte sich ausgiebig um die Jugendarbeit und fungierte ab der Generalversammlung 1965 als Schriftführer

Die Pro-Musica-PlaketteSeit 1968 verleiht der Bundespräsident Musikvereinen, die mindestens 100 Jahre alt sind und verschiedene Kriterien erfüllen, die Pro-Musica-Plakette. Auch der Musikverein Obersimonswald erfüllte die Kriterien und bekam am 22. November 1969 die Plakette vom Regierungspräsidenten Dr. Hermann Person, stellvertretend für den Bundespräsidenten Gustav Heinemann.

Am 19. Mai 1973 wurde das Pavillon auf der Obersimonswälder Kuranlage fertiggestellt. Bis heute finden dort in den Sommermonaten die oben erwähnten Kurkonzerte statt.

1974 wurde aus den fünf einzelnen Gemeinden Untersimonswald, Altsimonswald, Haslachsimonswald, Wildgutach und Obersimonswald die heutige Einheitsgemeinde Simonswald.

In jenem Sommer war es auch, als die Jugendkapelle unter der Leitung von Erich Schwär den ersten Auftritt vor Publikum verzeichnete und vom Publikum und Presse viel Lob erhielt. Erich Schwär beschloss auch in der Generalversammlung desselben Jahres, das Amt des Schriftführers niederzulegen, um sich mehr um die mittlerweile stark besetzte Jugendkapelle zu kümmern.

Mit annähernd 80 Proben und Auftritten der Aktiven, einigen hundert Arbeitsstunden für das neue Zelt und nicht weniger als 115 (!) Proben der Jugendkapelle wurde das Jahr 1975 zum wohl arbeitsintesivsten Jahr im Sinne des Vereins. Dies zahlte sich schon im Jahr darauf aus, als man zum 110jährigen Bestehen auch das Bezirksmusikfest ausrichtete.

Stabübergabe A. Ringwald an E. SchwärEin Jahr nach der riesigen 800-Jahr-Feier der Gemeinde kündigte Dirigent Alfred Ringwald seinen baldigen Rücktritt als Orchesterleiter an.
Ab Mai 1981 trat man in der neuen Einheitstracht auf, die bis heute Bestand hat. Noch im selben Monat fand die offizielle Stabübergabe zwischen Alfred Ringwald und Erich Schwär statt und der Musikverein stand nun unter neuer Leitung.

Nahezu unglaublich erscheint die Zahl von nicht weniger als 165 Proben und Auftritte für den Dirigenten Schwär in einem einzigen Jahr.

An Weihnachten 1982 gab man auch den alten Standort für das Weihnachtskonzert auf und man spielte erstmals im Krone-Saal, in den der MVO am Stephanstag die Zuhörer noch heute zum Jahreskonzert einläd.
In der Generalversammlung 1983 wurde für Fritz Helmle Hubert Wehrle zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Im Frühjahr 1984 stellte sich der Musikverein erneut einem Wertungsspiel und konnte mit der Benotung "1. Rang mit Belobigung" mehr als zufrieden sein.

Platzprobleme rund ums Pavillon und Hygienevorschriften waren entscheidende Gründe, 1985 einen Küchentrakt anzubauen bzw. einen Lagerraum hinter dem Pavillon einzurichten, um u.a. das tonnenschwere Zelt langfristig verstauen zu können. Wie gewohnt wurde ein beträchtlicher Teil der Arbeiten in Eigenleistung verrichtet.

Das Fest anlässlich des 120jährige Bestehens und der Riesenerfolg unseres aktiven Musikers Ralf Schonhardt (Zweiter Platz beim Grand-Prix der Volksmusik als Komponist des Stückes "Wir gratulieren") machten 1986 zu einem stimmungsvollen Jahr, das an Weihnachten mit dem letzten Auftritt der vereinseigenen Jugendkapelle jedoch etwas getrübt wurde. Zahlreiche Auftritte bei Jubiläen, Umzügen und anderen schönen Anlässen ließen die Achtziger Jahre zufrieden ausklingen.

Auftritt von Wohl einmalig in einem Musikverein ist, wenn ein Vater mit seinen sechs Kindern auftreten kann. So konnte am Weihnachtskonzert "Wilhelm mit seinen Hug's" (siehe Bild rechts) ein paar Stücke zum Besten geben. Von dieser Besetzung sind bis heute außer Wilhelm Hug selbst noch alle Söhne und Töchter aktiv und mittlerweile auch die ersten Enkel in den Reihen des Orchesters.

1991 stand mit dem 125jährigen Jubiläum mal wieder ein Riesenspektakel an, das an einem gewaltigen Wochenende mit vielen musikalischen, unterhaltsamen Highlights veranstaltet wurde.

Stabübergabe E. Schwär an M. SchätzleNach einem weiteren erfolgreichen Wertungsspiel neigte sich die Ära des amtierenden Dirigenten dem Ende entgegen und auf den 1. Januar 1993 trat Erich Schwär nach über 12 Jahren als Dirigent zurück und bereicherte wieder das Klarinettenregister. Mehr über sein einzigartiges Engagement für den Verein finden Sie unter "Dirigent".
Mit Michael Schätzle aus Waldkirch, damals mitten im Studium der Orchestermusik, fand man Ende 1992 einen würdigen Nachfolger.
Die Aufnahme zahlreicher Jugendliche 1993/1994, Marschier-Proben auf dem Sportplatz, die Umstellung des Horn-Registers von Es auf F und ein ganzes Probenwochenende waren nur einige der gern gesehenen musikalischen Fortschritte, die die ersten Jahre der Ära Schätzle mit sich brachten.

Der Zahn der Zeit nagte am zwischenzeitlich 20jährigen Zelt und man konnte pünktlich zur Sommersaison 1994 neben neuen Dachplanen auch ein renoviertes Zelt präsentieren. Ein erster größerer "Auftritt" des Zelts war im Juli 1994 das erste Obersimonswälder Dorffest (zur Homepage), das sich - so war man sich einig - alle zwei Jahre wiederholen sollte.

Nach einer mit 13 Jahren langen, ereignisreichen Zeit wurde Hubert Wehrle an der Generalversammlung 1996 von seinem Nachfolger Norbert Helmle im Amt des 1. Vorsitzenden abgelöst. Nachdem sich zuerst über ein Jahr lang kein Nachfolger finden ließ, hat sich Norbert Helmle als einziger dazu bereit erklärt und befindet sich seither bis heute nun schon über ein Jahrzehnt an der Position des 1. Vorstandes.

Am 8. November 1996 legte unser Dirigent Michael Schätzle in überzeugender Manier die Diplomprüfung im Studiengang Orchestermusik (Tuba) ab. Neben der Jury beeindruckte Schätzle vor allem auch die Abordnung des Musikvereins, die Zeuge seiner aus schwierigster Literatur bestehenden Prüfung war. Mit Erreichen dieses Titels des Dirigenten stand der Verein erstmals unter der Leitung eines professionellen Berufsmusikers.
Die Ernte dieses persönlich wohl größten Erfolg Michael Schätzles war die Teilnahme des Orchesters beim Wertungsspiel ein Jahr später in Löffingen. Dort erreichte man einen überzeugenden 1. Rang mit Auszeichnung.

Zwei Jahre später, im Sommer 1999, feierte man das 50jährige Bestehen des Vereins. Ein Kirchgang, ein interessantes Festbankett, eine Tombola und natürlich fetzige musikalische Unterhaltung machten das Wochenende unvergesslich. So konnte man zuversichtlich der Jahrtausendwende entgegenblicke.

Logo des Wertungsspiels in PragAls erstes großes Ereignis im neuen Jahrtausend erwartete den Musikverein im Januar 2001 die Teilnahme am Internationalen Blasmusik-Festival in Prag. Verbunden mit einem Vereinsausflug der Aktiven erspielte man sich in Prag vor internationaler Jury das Diplom in Silber. (Pressebericht )

Im Mai 2002 wurde das 10jährige Jubilaum unseres Dirigenten Michael Schätzle gefeiert. In einem Best-Of Konzert, bei dem das Orchester die besten und schönsten Stücke der Ära Schätzle auswählte, ließ man das letzte Jahrzehnt musikalisch noch einmal Revue passieren.

Bis heute ist - wie in den Grußworten der Startseite erwähnt - der Musikverein danach bestrebt, dem Publikum unterhaltsame Blasmusik auf angenehmem Niveau zu bieten. Durch das wichtige Engagement der Musiker, der weiterhin erfolgreichen Ausbildung zahlreicher Zöglinge, einem überzeugenden Orchesterleiter wie wir ihn momentan haben und nicht zuletzt durch die gute Resonanz der Bevölkerung wird auch in den folgenden Jahren der Musikverein seinen festen Stellenwert als wichtige kulturelle Einrichtung in der Gemeinde sicher haben.

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